AIS/PVS in der GKV - Übersicht

Eine persönliche, quellenbasierte Top-5-Einordnung zertifizierter Praxisverwaltungssysteme für kleine GKV-Praxen.7

Praxissoftware ist in einer kleinen GKV-Praxis kein Nebenprogramm. Sie ist Kalender, Abrechnung, Karteikarte, Formularwesen, TI-Drehscheibe, Geräteanschluss, Suchwerkzeug und oft auch der Taktgeber am Empfang. Genau deshalb schaue ich bei AIS/PVS nicht zuerst auf Prospekte, sondern auf drei nüchterne Fragen: Ist das System für die vertragsärztliche Abrechnung zugelassen, passt es zum Arbeitsalltag der Praxis, und wirkt der Hersteller so, als würde er die nächsten Jahre zuverlässig mitgehen?

Diese Übersicht ist keine Beschaffungs-, Rechts- oder Zertifizierungsberatung. Sie ist eine persönliche, öffentlich nachvollziehbare Einordnung für kleine Praxen, die sich orientieren möchten. Vor einer Entscheidung sollten immer der aktuelle KBV-Prüfnachweis, die konkrete Fachgruppe, die Datenmigration, die TI-Umgebung, die Geräteanbindung und der regionale Support geprüft werden.8

Meine Top 5 für kleine GKV-PraxenPersönliche Orientierung, nicht als verbindliches Ranking zu verstehen.
tomedo stark für Apple-Praxen
T2med plattformoffen und modern
DURIA / DURIA² stabil und genossenschaftlich
Medical Office modularer Allrounder
medatixx / x-Familie groß, aber genau prüfen
Schnelle Passung nach PraxistypDie beste Wahl entsteht meist aus Arbeitsweise, Hardwarestrategie und Wechselrisiko.
  • Apple-orientiert tomedo ist der naheliegende erste Blick, wenn Mac, iPad und mobile Arbeitsweise bewusst gewollt sind.
  • Plattformoffen T2med ist spannend, wenn Windows, macOS oder Linux flexibel bleiben sollen.
  • Stabil und mit Anwendernähe DURIA passt gut, wenn Mitwirkung, Support-Center und Beständigkeit wichtiger sind als Hochglanz.
  • Gewachsene Windows-Praxis Medical Office und medatixx-Systeme sind pragmatische Kandidaten, wenn bestehende Abläufe sauber abgebildet werden müssen.

Worauf ich zuerst schauen würde

Für GKV-Praxen ist die KBV-Zulassung kein Komfortmerkmal, sondern die Eintrittskarte. Die KBV beschreibt selbst, dass Praxissoftware für die Abrechnung und weitere Pflichtfunktionen zertifiziert sein muss.7 Gleichzeitig sagt diese Zertifizierung nicht, ob ein System angenehm, schnell oder gut betreut ist. Genau dort werden Praxiserfahrung, Zi-Monitoring und ein ehrlicher Pilotbetrieb wichtig.10

Für kleine Praxen zählt außerdem, wie wenig Reibung im Alltag entsteht: Wie viele Klicks braucht ein Rezept? Wie stabil laufen eAU, eRezept, ePA, KIM und Kartenleser? Wie gut kann das Team suchen, korrigieren, dokumentieren und abrechnen? Und wie fair läuft ein späterer Export, falls die Praxis doch wechseln muss?

  • Nur Systeme mit aktuellem KBV-/KVDT-Nachweis in die engere Auswahl nehmen.
  • Ein Demo-System mit echten Praxisabläufen testen: Anmeldung, Sprechzimmer, Labor, Verordnung, Abrechnung.
  • Datenmigration und Geräteanbindung vor Vertragsschluss schriftlich klären.
  • Supportmodell, Updatefenster, Fernwartung und Kostensteigerungen nüchtern prüfen.

1. tomedo: mein erster Blick für Apple-Praxen

tomedo ist für mich der stärkste Kandidat, wenn eine Praxis bewusst auf Apple-Geräte setzt oder setzen möchte. Das System ist im KBV-KVDT-Verzeichnis geführt, wird von Zollsoft als exklusiv für Apple-Geräte entwickelte Praxissoftware beschrieben und taucht in KBV-Installationsstatistiken inzwischen sichtbar in mehreren Fachgruppen auf.9

Die Stärke liegt aus meiner Sicht in der modernen Bedienlogik, mobilen Nutzung und der Nähe zu digitaleren Praxisprozessen. Der Haken ist klar: Wer nicht auf macOS/iPadOS gehen will, sollte diese Entscheidung nicht erzwingen. Hardwarestrategie und Team-Akzeptanz müssen hier zusammenpassen.

2. T2med: sehr spannend, wenn die Praxis flexibel bleiben will

T2med ist im KBV-KVDT-Verzeichnis geführt und fällt besonders durch Plattformoffenheit auf: Der Hersteller nennt Windows, macOS und Linux für Server und Clients. Für kleine Praxen ist das interessant, weil die IT-Strategie nicht automatisch an ein einzelnes Betriebssystem gekettet wird.

Im Zi-Umfeld schneidet T2med bei Nutzerfreundlichkeit sehr gut ab. Meine vorsichtige Einordnung: Wer modern starten möchte, ohne zwingend ins Apple-Ökosystem zu gehen, sollte T2med ernsthaft anschauen. Gleichzeitig gilt auch hier: Demo mit den eigenen Abläufen, nicht nur mit schönen Screens.

3. DURIA und DURIA²: verlässlich, nah an der Praxis, angenehm eigenständig

DURIA ist im KBV-KVDT-Verzeichnis geführt und hat eine besondere Struktur: Die Duria eG arbeitet genossenschaftlich und beschreibt die Software als von Ärzten für Ärzte entwickelt. Das ist kein Selbstzweck, kann aber im Alltag wertvoll sein, weil Anwenderwünsche strukturell näher am Produkt liegen.

Mir gefällt an DURIA die Mischung aus Bestandssicherheit und Weiterentwicklung. DURIA classic wirkt nicht für jeden sofort modern, kann aber sehr schnell und robust sein. DURIA² bringt die modernere Oberfläche dazu. Für Praxen, die Stabilität und Anwendernähe schätzen, bleibt DURIA ganz klar auf der Liste.

4. Medical Office: modularer Allrounder mit ernstzunehmender Breite

Medical Office von INDAMED ist im KBV-KVDT-Verzeichnis geführt und wird vom Hersteller als flexible, skalierbare Praxissoftware für Einzelpraxis, Gemeinschaftspraxis und MVZ positioniert. Die Funktionsbreite wirkt sinnvoll: Abrechnung, Dokumentation, Terminplanung, Kommunikation, Rechte, Recall und ergänzende Dienste.

Meine Einordnung: Medical Office ist kein Nischenfavorit, sondern ein sehr naheliegender Kandidat für Praxen, die strukturiert wachsen wollen und Windows-geprägte Praxis-IT nicht grundsätzlich infrage stellen. Wichtig ist, früh zu prüfen, wie viel Konfiguration nötig ist, bis die Oberfläche wirklich zum Team passt.

5. medatixx und x-Familie: große Basis, aber mit sauberer Roadmap-Frage

medatixx, x.isynet, x.concept und x.comfort sind im KBV-KVDT-Verzeichnis sichtbar. Für viele Praxen ist medatixx deshalb kein exotischer Kandidat, sondern Teil der Realität. Die Herstellerkommunikation zeigt zudem, dass ePA, TI-Fachdienste und Praxisprogramme laufend weiterentwickelt werden.

Trotzdem würde ich bei einer Neuentscheidung genau nachfragen: Welches konkrete Produkt ist für die eigene Praxis die Zukunftslinie? Wie wird eine bestehende x.isynet-, x.concept- oder x.comfort-Installation langfristig betreut? Und welche Wechselpfade gibt es, falls später auf ein anderes medatixx-Produkt oder ganz aus der Familie heraus gewechselt werden soll?

Was ich bei CGM vorsichtig einordnen würde

CGM-Systeme wie ALBIS, TURBOMED oder CGM M1 PRO sind in der KBV-Welt weiterhin relevant und teils sehr verbreitet.8 Gerade TURBOMED und ALBIS stehen in vielen Praxen seit Jahren produktiv. Für eine bestehende Praxis kann es daher gute Gründe geben, nicht vorschnell zu wechseln.

Für eine Neuentscheidung würde ich CGM aber nicht automatisch in meine erste Top 5 nehmen. Das Zi-Paper 2025 zeigt bei mehreren CGM-Systemen sehr kritische Werte bei Weiterempfehlung, Support- oder Kostenwahrnehmung. Das heißt nicht, dass jede einzelne Praxis schlechte Erfahrungen machen muss. Es heißt nur: Wenn CGM, dann mit sehr klarem Blick auf Supportpartner, Kostenmodell, Datenexport, Updatequalität und das konkrete Produkt.

Mein Fazit für kleine Praxen

Wenn eine kleine Praxis heute neu auswählt, würde ich nicht zuerst nach dem größten Marktanteil gehen. Ich würde zuerst nach Alltagstauglichkeit, Wechseloffenheit, Supportqualität und sauberer TI-Umsetzung gehen. Mein persönlicher Startpunkt wäre: tomedo bei Apple-Wunsch, T2med bei Plattformoffenheit, DURIA bei Stabilität und Anwendernähe, Medical Office als modularer Allrounder und medatixx nur mit sehr klarer Produkt- und Roadmap-Prüfung.

Der beste Test bleibt am Ende erstaunlich handwerklich: Zwei Stunden Demo mit echten Fällen, eine Checkliste am Empfang, eine im Sprechzimmer, eine für die Abrechnung. Wenn das Team danach ruhiger atmet, ist man näher an einer guten Entscheidung als nach jeder Hochglanzbroschüre.

Quellen und Einordnung

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